Montag, 23. August 2010

Manic Montagsmaler

Die Malkastenstraße in Düsseldorf, der ich genau zum richtigen Zeitpunkt über den Weg lief (Wortspiele ahoi! Siehe oben.)



Es ist Montag. Alles in allem ein Tag, der sowohl besungen als auch verflucht wird. Eine typische Montags-Playlist in dieser Tradition wäre etwa:


Manic Monday von The Bangles
Monday Monday von The Mamas and the Papas
Blue Monday von New Order
New Moon on Monday von Duran Duran
Monday Monday Monday von Tegan and Sara
Monday von Wilco
From Monday on von Bing Crosby
Monday Morning von Fleetwood Mac


(Ich würde hier zu gerne noch einen Song von The National anführen, die einfach dafür prädestiniert sind an einem verregneten, besonders grauen Montag gehört zu werden!)


Doch verkennt man den unglückseligen Montag, wenn man nicht schon den "Super-Single-Selbstmord-Sonntag" miteinbezieht.

[Super-Single-Selbstmord-Sonntag, der: ein vor allem in der Bundeshauptstadt geprägter Begriff (Gruß an Kristina!), der wie kein anderer den Sonntags-Spirit beschreibt. Sonntag ist der letzte Tag des Wochenendes: man ist wahlweise erschöpft, verkatert, faul, träge, familiär eingebunden oder sogar schon übelgelaunt, da sich erste Gedanken an den Montag aus dem Wochenenddunst herausschälen - insbesondere ab etwa dem frühen Abend. Mit ihnen auch oft das schlechte Gewissen (siehe Disziplin, die), das einen an plötzlich wichtige Dinge erinnert, die man seit Freitag verdrängt hatte. Aufgaben, Pflichten, Verpflichtungen, Arbeit türmen sich wie der schiefe Turm von Pisa vor dem inneren und äußeren Auge auf und drohen einen unter sich zu begraben. Mit letzter Anstrengung gelingt es dann vielleicht doch noch, die unangenehme Realität zu verdrängen und sich statt dessen mit LeidensgenossInnen zusammenzurotten und die letzten Stunden in vermeintlicher Freiheit zu genießen. In der Tat handelt es sich bei dieser Gesellschaft in der Hauptsache um Singles, den Paare können ja immerhin Trost in der Zweisamkeit suchen und sich den ganzen Sonntag in die Federn kuscheln und sich gemeinsam in Sicherheit wiegen, während die Singles neben dem "Super-Single-Sonntags-und-Manic-Monday-Blues" oft auch noch einem leeren Kühlschrank, Bett und Innenleben gegenüberstehen. Warum sich also nicht zusammenrotten - geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid am "Super-Single-Selbstmord-Sonntag". Man teilt nun die Pizzabestellung, das Sonntagsbier oder den Wein und eine Menge Schokolade (die sorgt bekanntlich für Glückshormone!) und versammelt sich beispielsweise vor dem sonntäglichen "Tatort" oder sonstigem Fernsehspaß. Oh Sunday, bloody Sunday!]

In einer Schokoladen-, Bier- oder Tränenlache wacht man also auf und es ist Montag. Unweigerlich stellt sich die Sinnfrage: Wer bin ich? Was tue ich hier? Warum das alles? Sehr förderlich auf den sog. Montags-Blues wirkt ein entsprechend grauer Himmel, Donner, Blitz und Ungemach (wie etwa heute!). Muss ich wirklich Haus, Hof und Bett verlassen?
Als ich mich heute morgen endlich dazu gezwungen hatte mit einem Regenschirm bewaffnet vor die Tür zu treten, traf mich zu allem Überfluss auch noch die Erkenntnis, dass es vielleicht nie wieder Sommer werden würde. Nie wieder im Sinne von nie wieder dieses Jahr. (Bei der Klimaerwärmung weiß man es schließlich nie so genau.)
Geoffrey war natürlich zu depressiv (wie immer bei starkem Niederschlag), sodass an eine gemeinsame Fahrt nicht zu denken war. Was so viel heißt wie: eine dreiviertel Stunde Fußweg zum Archiv, naja, frische Luft hat natürlich noch niemandem geschadet (An dieser Stelle grüße ich meine Mama! ;) ), aber wie soll man noch einen Fuß vor den anderen setzen, wenn die Bäume bereits ihre Blätter verlieren und man vergessen hat, dem Sommer mit einem weißen Tüchlein wehmütig hinterherzuwinken?


Anspieltipp: Eva Cassidy - Autumn Leaves (da der Video-Upload heute anscheinend standesgemäß der Nichtfunktionalität anheim gefallen ist...)




Und ja, auch mich hat natürlich das schlechte Gewissen gepackt an diesem Montag. Mein paradiesischer Pragmatismus hatte mich zwar an vielerlei historische Orte, jedoch nicht an den Schreibtisch geführt.
Dazu ein Archiv, das am anderen Ende des Regenbogens (der Stadt) liegt und an dessen Ende kein Topf mit Gold, sondern ein Berg von handschriftlichen Quellen wartet - alles in allem ein äußerst fruchtbarer Wirkungsbereich für den Montags-Blues! Da verwundert es auch nicht mehr, wenn die Homies aus meiner Hood (Übersetzung für Nicht-Gangster: Menschen aus meiner sozial problembelasteten Nachbarschaft) um neun Uhr morgens Bier statt Kaffee trinken...

Sieben Stunden später....back to reality! Und die ist zwar trocken, aber grau und ich verstrahlt. Sieben Stunden angestrengt auf sehr sehr alte, sehr sehr unleserliche Dokumente starren fordert seinen Tribut. Mir ist kalt, ich habe Hunger, ich fühle mich wie ausgetrocknet, sowohl wassertechnich als auch emotional.

Die Wissenschaft ist ein hartes Brot!


Der Montag auch. Apropos Brot: Zeit für eine Stippvisite in einen Kaisers Supermarkt, der auf meinem Weg liegt. Er ist zur Abwechslung auch mal nicht ganz so verranzt wie der von nebenan, in dem es bereits mehrmals fast zu Handgreiflichkeiten zwischen Angestellten und Kunden kam. Und das nicht nur aus einer Montags-Depression heraus!
Dem trübsinnigen Montags-Lethargie angemessen, verlasse ich den Markt mit:


Crostini (für den Hunger zwischendurch), Bananen (Vitamine und so), Trinkjoghurt (Flüssigkeitszufuhr und Geschmack) und last but not least ein Mini-Käsekuchen (schnelle ungesunde Kohlenhydrate) - auch hier wieder Grüße an die Frau Mama! ;p

Gar nicht so unähnlich sind meine Einkäufe im übrigen denen meiner Vorgänger und Nachfolger, die Tiefkühlpizza, Fruchtzwerge, Milch, Nudeln und Tomatensoße kauften und somit eindeutig als Studenten identifiziert werden können.
Ich bin beruhigt, da ich nun weiß, dass die Montagsdepression auch andere Menschen zur Trägheit und Unvernunft anstiftet und fühle mich bereits ein bisschen verstanden.

Langsam fühle ich mich auch wieder menschlich und stelle mir vor, wie ich mit jedem Schritt vom Archivroboter/wissenschaftlichen Alien immer mehr menschliche Züge angenommen habe. Eine gute Meditationsübung ist das auch.

Als ich dann noch das Straßenschild "Malkastenstraße" erblicke, habe ich plötzlich das nötige Handwerkszeug um den grauen Montag zumindest lautmalerisch zu überpinseln.

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